2017 4K 98 Minutes 7.1 Sound Colour 24f/s 1:2.39

Starn

Premiere at the Viennale 2017 on October 23rd in the Urania Cinema

A film with no answers but as many questions as there are stars in the universe, Austrian structuralist Johann Lurf has chosen an audacious and ever-expanding subject for his feature film debut: the stars of cinema. Not the movie stars, but the stars in the night’s sky, pinpricks of light against the darkness excerpted from films beginning at cinema’s dawn and continuing to this present day in a project that is planned to be expanded yearly. These stellar instances, riven from context with sound intact—ambient hums, grand orchestral scores, pedantic explanations, dreamy speculation—are magical fields of darkness sprinkled with possibilities. Lurf’s jazzy editing, balancing tranquil concentration and jumpy jitters based on his methodology of retaining each clip’s length, image and sound, sends the audience on a journey across the tones of promise and threat that emanate from the cosmos. A subject difficult if not impossible to accurately photograph on film, we are therefore greeted again and again by the varied interpretations of the starry night by matte artists and special effects wizards, gazing now in stillness, now in careening motion across or into space at incandescent nebulae, distant twinkling dots, and the black void in-between. Surveying a history of cinema’s fixation with, and escape to, outer space, we find both what audiences in their own times saw up there, as well as mirrors of our own wonderment: Awe, terror, hope, arrogant confidence, melancholic yearning and blank, awesome silence. These are the rare moments when the movie audience, backs to the projector, in fact faces light projected at them: Our eyes are the screens for the cinema of the stars.
Daniel Kasman 2017

Johann Lurf is one of a kind, an experimentalist, a dreamer, a movie buff, a romantic in search of forensic traces, perhaps a little reclusive. His cinematographic short-film etudes, such as VERTIGO RUSH, 12 EXPLOSION or his fascinating, ever-circling, globally Austrian film panorama about roundabouts, KREIS WR.NEUSTADT, challenged standard ways of perception, putting them up for discussion and reflection, infinitely. His next step comes as little surprise: the universe. “I started experimenting eight years ago, and now the film is finally ready for screening. I was longing for 90 minutes of images of the night sky throughout the entire history of film, original length, format, sound. So many languages, perspectives, hopes. The age-old gaze into the sky. Dreamt, photographed, virtually pure cinéma vérité.” Lurf’s film is a pandemonium of the most beautiful and the saddest dreams, a ballet of brightly lit gas clouds, a symphony of human fears and rescue fantasies. Not just film historians, astronomers, polyglots, we all have every reason to look forward to it. To dreaming, to soaring, floating, earthily.
Viennale in October 2017

With a title that isn’t even a word, but the symbol ★, this was a daring experiment that reminded me of Douglas Gordon’s art installation 24 Hour Psycho. Director Johann Lurf has compiled 90 minutes of clips of the night sky as seen in films throughout the history of cinema – not just science fiction, but any and every film that has taken time out for a whimsical look at the stars. There are clips with dialogue, in many different languages, and clips without, shots of the stars moving away from the camera and towards it, the occasional shooting star or interstellar event, long clips and jump cuts, the tone switching between cheesy, jokey, bombastic, eerie and profound. At times it feels as though we're watching a diminishing return, yet it’s impossible to pull away. A little like the universe itself, ★ looks like it will continually expand, as Lurf intends to add to his film yearly. It would be quite a cute idea for future directors of the Viennale to feature every new version.
Demetrios Matheou on theartsdesk.com November 7th 2017

Throughout all of film history shots of clear night-time skies have been collected and compiled into chronological order. What is intended to appear as an absolute image for humans, a constant through time, reveals itself as unstable. This occurs not only because the technical parameters are constantly transforming, but also as a result of period specific trends in visual culture. Regardless of these rapid changes, today it still proves challenging to record this moving image.
The film will be released when it reaches 90 minutes in its duration; however the length of the director's cut will be infinite.
Translation: Seth Weiner

Das Lurf’sche Kino: Blickirritationen, optische und akustische Verfremdungen, faszinierende, seltene Filme. Bisher. Doch mittlerweile scheint der Planet Erde zu klein für des Filmemachers Sehnsucht und er greift nach den Sternen. Acht Jahre arbeitete Lurf an diesem Werk, dem Panorama des Himmels, gesehen aus der Perspektive eines Filmliebhabers. Filmausschnitte, Sprachfetzen, Sternenballett, choreografiert von einer Göttin, die niemand kennt. Alles chronologisch, von der Stummfilmzeit bis heute. Nicht weniger als 90 Minuten träumen, 13 Sprachen lernen, sich fürchten und freuen – ein ganz außergewöhnlicher Abenteuerfilm, allein schön, zu zweit noch schöner.
Viennale im Oktober 2017

„*“ wirft Blicke in den Himmel Traumhaft gibt sich auch „*“ von Johann Lurf, an dem der Filmemacher immerhin acht Jahre gewerkt hat: Das Himmelszelt in unterschiedlichsten Variationen, aus verschiedensten Blickwinkeln der Filmgeschichte gezeigt und inszeniert, bietet folglich ein höchst ungewöhnliches Sehvergnügen, das sich stilistisch von der Stummfilmzeit bis ins Heute zieht.
orf.at 10. Oktober 2017

Viennale 2017: ★ von Johann Lurf
Das Konzept von Johann Lurfs erstem Langfilm ★ ist schnell erklärt. Neunzig Minuten lang sind Sternenhimmel aus über hundert Jahren Filmgeschichte zu sehen. Lurf hat sich dazu einige Beschränkungen auferlegt – außer dem Himmel, den Himmelskörpern und gegebenenfalls Wolken und Satelliten darf nichts anderes im Frame zu sehen sein, auf der Tonspur ist immer der Ton des Originalfilms zu hören. Angeordnet hat Lurf die Ausschnitte streng chronologisch, das freilich lässt sich beim erstmaligen Sehen des Films nicht mit Sicherheit bestimmen. Zwar beginnt der Film mit Passagen aus Stummfilmen, die folglich ohne Ton präsentiert werden und man kann mit Fortdauer des Films erkennen, wie die Aufnahmen technologischer ausgereifter erscheinen, doch mit Ausnahme einiger Filmschnipsel, die man je nach filmgeschichtlicher Kenntnis verorten kann, löst sich das Rätsel der Logik der Montage erst mit den Ausführungen des Regisseurs. Man kann diese Form der filmischen Anordnung kritisieren, besteht die Arbeit des Filmemachers in diesem Fall eher in der Recherche der einzelnen Filmausschnitte, als in deren künstlerischer Zusammensetzung, doch das Resultat wirkt erstaunlich rhythmisch. Der Zufall als Cutter, ordnet die Sternenhimmel mal rasant wechselnd, mal langsam fließend an, Farben, Töne und Bewegungen folgen willkürlich aufeinander an, wirken aber weniger beliebig, als man meinen sollte. In seinen stärksten Momenten wirkt der Film wie ein sorgsam konstruierter Remix, ihn zu sehen ist ein manisches und zugleich sinnliches Erlebnis.
Neben der visuellen Sensation, gibt ★ aber auch Auskunft über filmgeschichtliche Konventionen. Der Zusammenschnitt der Filme aus über einhundert Jahren lässt Rückschlüsse über die filmische Gestaltungsweise von Sternenhimmeln im Laufe der Jahrzehnte zu. Verschiedene Bewegungen kommen regelmäßig vor: das Eintauchen in den Sternenhimmel beziehungsweise dessen Gegenbewegung – das langsame Zurückziehen; später das langsame Abkippen vom Sternenhimmel in Richtung Horizontlinie (das im Film immer zu Ende geht, bevor die Oberfläche erreicht ist); der Blick in den Nachthimmel, wo Sternschnuppen (oder in einer parodistischen Variation, Satelliten) vorüberziehen; rasante Fahrten durch den Weltraum in Überlichtgeschwindigkeit, in der die Sterne ihre Erscheinung verändern. Auffällig ist auch die zunehmende, wissenschaftliche Präzision der Sternendarstellung. Während anfangs noch oft willkürliche Lichtpunkte vor dunklem Hintergrund zu sehen sind, werden in späteren Filmen öfter korrekte Darstellungen des Sternenhimmels ausgewählt. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass erst die technischen Rahmenbedingungen geschaffen werden mussten, um überhaupt in den Nachthimmel oder in Planetarien filmen zu können (das war in größerem Rahmen erst nach dem Zweiten Weltkrieg möglich), später erleichterte die Möglichkeit der Simulation des Himmels mittels Computertechnik die korrekte Darstellung von Himmelskörpern. Größer gedacht legt der Film auch inszenatorische Konventionen offen, die nicht direkt mit der Darstellung des Sternenhimmels zu tun haben: Der rhetorische Stil der Erzählerstimmen, die sehr oft zu hören sind, verändert sich, ebenso die Musikuntermalung und die Dialogregie – auch die Weiterentwicklung der Tricktechnik kann am Beispiel der Sternenhimmel nachvollzogen werden.
Im Gesamtwerks Lurf, der bisher in erster Linie mit streng komponierten und rhythmischen ausgefeilten Bild-/Tonkompositionen auf sich aufmerksam machte, ist dieses 90-minütige filmhistorische Hasardstück zugleich Ausreißer, als auch logische Weiterentwicklung. Ausreißer wegen der Länge des Films, dem Produktionszeitraum von mehreren Jahren und der Form der Montage, Weiterentwicklung, weil es sich bei ★, wie bei seinen meisten anderen Filmen, um eine experimentelle Untersuchung handelt, in der die Erfahrungsweise bestimmter Bild-/Tonfolgen getestet wird. Wenn in Twelve Tales Told noch in kleinerem Rahmen die Regeln der Selbstinszenierung von Filmstudios in Frage gestellt wurden, so setzt ★ dieses Interesse Lurfs mit seiner Betrachtung filmischer Sternenhimmel fort. Lurf hat angekündigt sein Sternenprojekt noch weiter fortzusetzen, um irgendwann alle Sternenhimmel der Filmgeschichte in einem Mammutfilm zu vereinen. Ein kaum zu erreichendes Ziel (abgesehen davon, dass sicherlich bereits etliche filmische Sternenhimmel für immer verloren sind), aber eine sympathische Utopie.
Rainer Kienböck für Jugend ohne Film am 24. Oktober 2017

Einmal die gesamte Filmgeschichte, bitte!
Johann Lurf liefert mit seinem Film ★ einerseits ein Werk das staunen lässt, aber andererseits ein überaus anstrengendes Filmvergnügen ist. Aus 550 Filmtiteln hat er die Sternenaufnahmen herausgeschnitten, um diese dann chronologisch also ausgehend vom Produktionsjahr zusammenzuschneiden. Man sieht über 90 Minuten lang nur Sterne unterbrochen von vielen, vielen Schnitten, einigen Kamerafahrten und –schwenks, und ein paar Sternschnuppen.
Die Geräuschkulisse ist dabei äußerst kurios, da die originalen Soundtracks und Dialoge der Filme verwendet wurden und diese oftmals nur bruchstückhaft wiedergegeben werden, da Lurf Credits und Filmtitel rausschnitt, um wirklich nur den Himmel abzubilden. Lange Zeit hat er daran gedacht den Ton ganz wegzulassen, da er vom Bild ablenkt und das All ja im Grunde stumm ist. Andererseits bietet gerade die Geräuschkulisse eine wichtige Basis zur Analyse der Entwicklung der Filme im Laufe der Jahrzehnte und deshalb hört man jetzt im Film Lieder, Stimmen und Geräusche, die vom Wandel der Zeit genauso geprägt sind wie das Bild.
Der Regisseur will mit dieser Arbeit den Verlauf der Filmgeschichte abbilden und das mit einem Urbild der Filmgeschichte, nämlich dem Blick ins All. Entstanden ist diese Idee, als Lurf in einem Seminar von Harun Farocki den Film „Stromboli“ mit Ingrid Bergmann gesehen hat und über die schlechten Aufnahmen der Sterne erstaunt war. Von da an suchte er in sämtlichen Archiven der Welt nach Filmen die den Weltraum abbildeten, um eine Chronologie dieses Raumes in der Filmgeschichte abbilden zu können.
Und da die Filmgeschichte noch nicht zu Ende ist, ist auch dieser Film noch nicht zu Ende. Es handelt sich um ein Work-in-Progress, das der Filmemacher in den kommenden Jahren erweitern will. Vielen im Publikum waren die 90 Minuten zwar schon genug, Lurf meinte aber, dass dem Publikum auch zwei Stunden und mehr zuzutrauen wären. Die Arbeit des Filmemachers sich durch unzählige Archive zu wühlen, um an das Material zu gelangen ist auf jeden Fall zu honorieren, aber die Länge des Films ist schon sehr ermüdend und anstrengend und ist sicherlich nichts für einen gemütlichen Filmabend. Das Museum würde sich meiner Meinung nach für dieses Filmprojekt aber sehr gut anbieten.
Pramberger für Uncut am 25. Oktober 2017

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