(ohne Titel)
(untitled)
2003 HD 3 Minutes Stereo Colour 25f/s 16:9 Edition of 5+2

(ohne Titel)

Emerging from the screen’s blackness, a small image appears at its lower edge. A young boy sits in a train clattering out of the station. Shortly after that another film image is visible at the upper edge: A man catches his wife cheating on him. More and more scenes appear until the screen fills with 12 sections. A different film is being shown in each one.
Viennale 03

Aus dem Dunkel der Leinwand, am unteren Rand, taucht ein kleines Bild auf: Ein Junge sitzt in einem Zug, der ratternd die Station verlässt. Kurz darauf ist auch am oberen Rand ein Filmbild zu sehen: Ein Mann erwischt seine Frau im Bett mit einem anderen. Nach und nach füllt sich nun die Leinwand, die in zwölf Teile gesplittet ist. Jeweils vier Fenster sind in drei Reihen aneinandergefügt, in jedem von ihnen läuft ein anderer Film. Stimmen, Sprachen und Geräusche beginnen sich zu überlagern, verschiedene Genres, in Farbe und Schwarzweiß, kämpfen um die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Unter ihnen kann man auch bekannte Filme und vertraute (Star-) Gesichter erkennen. Bald kommt es in jedem von ihnen zu Auseinandersetzungen: Waffen werden gezogen, und in allen zwölf Filmen fallen nun gleichzeitig Schüsse. Menschen stürzen zu Boden. Kurze Zeit herrscht Stille. Dann ist vereinzelt Weinen und Jammern zu vernehmen, bevor die Bilder nach und nach wieder im Schwarz verschwinden.
Viennale 03

Zwölf actionreiche Spielfilmszenen laufen bei Johann Lurf parallel ab und offenbaren so ihren dramaturgischen Aufbau.
Brigitta Burger-Utzer

Johann Lurf hingegen untergräbt mit seinem dreiminütigen Kurzfilm Ohne Titel die Aufmerksamkeit des Zusehers, indem er verschiedene dramaturgisch konkurrierende Geschichten gleichzeitig auf der Leinwand zeigt. Diese Arbeit wurde von der Jury lobend erwähnt.
zur Transmediale auf allesfilm.de

Lurfs erster Film ist eine verspielte Miniatur zum Drama des Lebens im Film: Nach und nach füllen insgesamt 12 Filmausschnitte die Leinwand, Szenen von Eifersucht und Flucht, Tod und Liebe branden auf zu einer Sinfonie, in der zwar die Dialoge nicht verfolgt werden können, wohl aber die Essenz dessen, was Kino zur Massenunterhaltung macht. Wie ein feines Understatement fällt ein tödlicher Schuss mehr oder weniger synchron. (ohne Titel) versetzt einen liebevoll in jenen Zustand, im Leben immer in einem anderen Film zu sein.
Verena Teissl für die Viennale im Oktober 2013